Wer zum ersten Mal ein Pilzextrakt kaufen möchte, stößt schnell auf zwei Arten von Produkten, die auf dem Etikett fast identisch aussehen: Extrakte und gemahlene Pulver. Derselbe Pilz, dieselbe Art Verpackung, oft sogar ähnliche Fotos. Trotzdem kauft man zwei grundlegend verschiedene Produkte. In diesem Artikel erklären wir, was Extraktion genau bewirkt, was ein Extraktionsverhältnis bedeutet und warum die Standardisierung die einzige Zahl ist, die wirklich etwas darüber aussagt, was in der Dose steckt.

Gemahlenes Pulver ist die einfachste Form: Der Pilz wird getrocknet und vermahlen. Was man kauft, ist also buchstäblich der ganze getrocknete Pilz in Pulverform. Das klingt pur, und das ist es in gewisser Weise auch. Aber es gibt ein praktisches Problem.
Die Zellwände von Pilzen bestehen aus Chitin, demselben stabilen Material, aus dem auch der Panzer von Insekten besteht. Die charakteristischen Verbindungen des Pilzes, wie Beta-Glucane und Polysaccharide, sitzen größtenteils in und hinter diesen Chitinwänden eingeschlossen. Unser Verdauungssystem baut Chitin kaum ab. Bei einem einfach gemahlenen Pulver bleibt also ein erheblicher Teil des Inhalts unerreichbar, so fein es auch vermahlen ist.
Die Extraktion löst dieses Problem mit einer klassischen Methode: heißem Wasser. Bei der Heißwasserextraktion werden die getrockneten Fruchtkörper vermahlen, auf Metallteilchen kontrolliert und anschließend lange in heißem Wasser gezogen. Die Hitze und das Wasser brechen die Chitinstruktur auf und lösen die wasserlöslichen Verbindungen, darunter die Polysaccharide und Beta-Glucane. Danach wird die Flüssigkeit zentrifugiert und zu einem konzentrierten Pulver sprühgetrocknet.
Das Ergebnis sieht aus wie gewöhnliches Pulver, aber die Zusammensetzung ist wesentlich anders: Die Zellwandbarriere ist bereits abgebaut und die charakteristischen Verbindungen sind konzentriert. Das ist übrigens keine moderne Erfindung. Traditionelle Zubereitungen in Asien und Nordeuropa waren fast immer Absude und Tees: langes Ziehen in heißem Wasser. Die moderne Heißwasserextraktion ist im Kern dieselbe Methode, nur kontrolliert, messbar und pro Charge reproduzierbar.
Auf Extrakten sieht man Verhältnisse wie 8:1 oder 12:1. Diese Zahl gibt an, wie viele Kilo roher Pilz für ein Kilo fertiges Extrakt nötig waren. Bei einem Verhältnis von 10:1 stecken also zehn Kilo getrockneter Pilz in einem Kilo Extrakt.
Zwei Anmerkungen gehören dazu. Erstens: Ein höheres Verhältnis ist nicht automatisch besser. Das Verhältnis sagt etwas über die Konzentration aus, nicht darüber, was genau konzentriert wurde. Zweitens: Verhältnisse sind indikativ. Ernten unterscheiden sich je nach Saison und Anbauort, deshalb gibt ein seriöser Hersteller eine Bandbreite an, etwa 8:1 bis 12:1, statt einer exakten Zahl, die Scheinsicherheit vermittelt.
Deshalb ist das Verhältnis höchstens die zweite Zahl, auf die man schaut. Die erste ist die Standardisierung.
Ein standardisiertes Extrakt garantiert einen gemessenen Mindestgehalt an charakteristischen Verbindungen, unabhängig von der natürlichen Variation zwischen den Ernten. Bei Pilzextrakten geht es um zwei Werte:
Der Unterschied zwischen diesen beiden Werten ist wichtiger, als viele Etiketten vermuten lassen. Und genau hier kommt die bekannteste Falle dieses Marktes ins Spiel.
Viele Produkte auf dem Markt werden aus Myzel hergestellt, das auf Getreide gezüchtet wurde, wobei das Getreide einfach mit vermahlen wird. Reis und Hirse bestehen größtenteils aus Stärke, und Stärke ist ebenfalls ein Polysaccharid. Ein Produkt, das zu einem großen Teil aus Getreide besteht, kann daher auf dem Papier einen ordentlichen Polysaccharidgehalt vorweisen, während die charakteristischen Pilzverbindungen weitgehend fehlen. Die US-amerikanische FDA hat sogar Richtlinien herausgegeben, um zu verhindern, dass diese „Myzel auf Getreide”-Produkte als Pilze vermarktet werden.
So erkennt man den Unterschied auf dem Etikett:
Der praktische Unterschied zwischen Extrakt und Pulver liegt in der Menge, die man braucht. Bei einem konzentrierten Extrakt mit einem Verhältnis von 8:1 bis 12:1 beträgt die empfohlene Tagesdosis 1 Gramm, etwa ein halber Teelöffel, oder 2 Kapseln à 0,5 Gramm. Um mit unextrahiertem Pulver in die Nähe derselben Menge charakteristischer Verbindungen zu kommen, bräuchte man ein Vielfaches davon, mehrere Esslöffel statt eines halben Teelöffels, und selbst dann bleibt ein Teil der Verbindungen hinter den Chitinwänden eingeschlossen.
Deshalb sind alle unsere Produkte Extrakte, keine gemahlenen Pulver. Jede Charge wird von der unabhängigen, staatlich akkreditierten AGROLAB Laborgruppe getestet, einschließlich einer SEC-Analyse, die speziell für Pilze in einer GMP-Pharma-Umgebung entwickelt wurde, mit Rückstandsproben pro Charge für vollständige Rückverfolgbarkeit.
Alle vier Extrakte in unserem Sortiment an Vitalpilzen sind Heißwasserextrakte mit einem Polysaccharidgehalt von 30% oder mehr, biologisch zertifiziert (DE-ÖKO-003):
Noch nicht sicher, welches zu dir passt? Mit dem Probierset probierst du alle vier.
Gemahlenes Pulver ist der ganze getrocknete Pilz, einschließlich der Chitinwände, die die charakteristischen Verbindungen einschließen. Ein Heißwasserextrakt baut diese Wände ab und konzentriert die wasserlöslichen Verbindungen. Das Extraktionsverhältnis sagt, wie viel Pilz hineinging; die Standardisierung auf Polysaccharide und Beta-Glucane sagt, was herauskam. Mehr über Polysaccharide und Beta-Glucane erfahren? Dazu veröffentlichen wir bald einen eigenen Artikel über diese Stoffgruppe.